Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wann ich dieses Album zum allerersten Mal gehört habe. Aber den Moment, in dem meine Liebe zu Pink Floyd geboren wurde, den werde ich nie vergessen. Es war 1978. Samstagmittag. Ich saß mit meinen Eltern am Esstisch, als plötzlich ein Hubschrauber durch unser Wohnzimmer flog – laut, bedrohlich, echt.
Erschrocken sprang ich auf. Mein Vater lachte nur und sagte: „Das kommt von der Platte.“ In diesem Augenblick, mit gerade mal ein paar Takten, hat sich etwas in mir für immer verändert. Ich lernte Pink Floyd mit The Wall kennen.
Trotzdem führt mich bis heute kein Album so tief und so verlässlich nach Hause wie The Dark Side of the Moon. Schon beim ersten Herzschlag am Anfang spüre ich, wie mein eigener Puls sich angleicht. Ich drehe den Lautstärkeregler höher, ganz langsam, Takt für Takt. Und dann setzt diese leise, fast gebrochene Stimme ein:„I’ve been mad for fucking years…“
Damals als junger Kerl verstand ich diese Worte noch nicht wirklich.
Heute berühren sie mich umso mehr. Weil ich weiß: Ja, wir sind alle ein bisschen verrückt. Und genau das macht uns menschlich. Dann gleitet der Plattenspieler nahtlos in Breathe – und die erste Gänsehaut rollt über meinen Körper.
Diese sanften, schwebenden Arrangements vor dem Gesang, diese perfekte Weite… und dann David Gilmours Stimme. So warm, so tief, so tröstend. Drei Minuten, die sich anfühlen wie eine Umarmung.
On the Run beginnt – und ich bin wieder fasziniert von der unglaublichen klanglichen Raffinesse. Die Drums drücken tief in die Brust, während die Synthesizer durch den Raum fliegen. Das Flugzeug stürzt ab, die Geräusche verklingen… und dann kommt Time.
Time. Ein Lied, das mich jedes Mal wieder in die Knie zwingt. Der gezupfte Bass, das tickende Schlagzeug – als würde die Uhr direkt in meiner Brust schlagen. „Ticking away the moments that make up a dull day…“
Die Worte treffen mich heute härter als früher.
Weil ich inzwischen weiß, wie kostbar und gleichzeitig gnadenlos die Zeit wirklich ist.
Das Gitarrensolo danach ist nicht einfach nur ein Solo – es ist ein Schrei, ein Aufbegehren, ein Flehen. Episch. Unvergesslich.
Die Breath Reprise gibt mir einen kurzen Moment zum Durchatmen.
Denn dann kommt The Great Gig in the Sky – und Clare Torry schreit ihre Seele aus dem Körper. Jedes Mal, wenn ich diesen Song höre, habe ich Tränen in den Augen.
Es fühlt sich an, als würde sie für alle unausgesprochenen Schmerzen dieser Welt singen.
Money folgt mit dem Klimpern der Kassen. Es ist nicht mein Lieblingssong auf dem Album, aber er hat seinen festen Platz in meinem Herzen gefunden.
Vor allem der Übergang zu Us and Them lässt mich jedes Mal erschaudern.
Us and Them… Für mich eines der schönsten Stücke, das je geschrieben wurde. Leise, laut, zärtlich, wütend, fragend, fordernd. Dick Parrys Saxophon weint und jubelt zugleich.
Dieses Lied hat einfach alles.
Dann das wunderbar entspannte Any Colour You Like – ein Instrumental, das wie ein warmer Sommerabend klingt. Gilmours Gitarre, Wrights Synthesizer, Waters’ Bass und Masons Groove verschmelzen zu etwas absolut Einzigartigem.
Und schließlich Brain Damage.
Mein persönlicher Liebling. So scheinbar leicht, fast unkompliziert – und doch so tief. „The lunatic is on the grass…“
Die Background-Chöre, die kleinen Details, das Lachen am Ende… es berührt mich jedes Mal auf einer fast kindlichen Ebene. Als würde das Album mir sagen: „Es ist okay, ein bisschen verrückt zu sein.
Dann das große Finale:
Eclipse.
Ein Feuerwerk aus Emotion, Text und Klang. Alle Stimmen, alle Instrumente, alle Gefühle kommen zusammen. Und am Ende dieser eine Satz, der mir immer wieder eine Gänsehaut über den Rücken jagt:„There is no dark side of the moon, really. Matter of fact, it’s all dark.“
Und das Herz schlägt.... und meines auch... und solange es schlägt ist es The Dark Side of the Moon.
Danke Pink Floyd für dieses Album.